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Halb gare Folklore aus dem digitalen Zeitalter. Mechanicalbri.de.

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February 10, 2026 at 10:48 AM
Wieso nutzt eigentlich niemand mehr Mailing Lists?
February 10, 2026 at 9:46 AM
Kultur ist das Menschlichste, das wir mit unserer Intelligenz so anstellen.
January 30, 2026 at 9:15 PM
Interesting talk by Cory Doctorow about emancipation from Trumps 'Merica: https://pluralistic.net/2026/01/29/post-american-canada/#ottawa
January 30, 2026 at 8:30 PM
That's nice. I can show my "Notes" on my Ghost site: https://mechanicalbri.de/notizen/ A bit of styling is still missing, but I like the idea a lot. HowTo is here: https://github.com/synapsmedia/ghost-activitypub-embed/
Notizen
Halb gare Folklore aus dem digitalen Zeitalter.
mechanicalbri.de
January 30, 2026 at 12:24 PM
It's the infrastructure, stupid
Ich bin Fan der "Zeit". Der Verlag hat in den letzten zehn Jahren viele kluge Entscheidungen getroffen. Während andere Zeitungen nicht aus der Abwärtsspirale rauskommen, konnte die Zeit sich an die neuen Gegebenheiten anpassen. Oder besser gesagt: Die Entwicklungen kamen dem Medium auch entgegen. Die Zeit hat immer stark auf Themen gesetzt, die den Lesenden Orientierung in verschiedensten Lebensbereichen geben sollen. Von Finanzanlage über Fitnessthemen bis zur Kindererziehung. Die Menschen sehnen sich gerade besonders nach Orientierung und Optimierung. Sie können die nüchternen Nachrichten eines "Spiegel" oder "Economist" weniger ertragen; sie wollen Einordnung und Hilfestellung. Und das von vertrauten Menschen. Von Autoren, deren Persönlichkeit in den Artikeln und Podcasts fühlbar wird. Beides hat die "Zeit" schon immer geboten – und beides wird in den letzten Jahren verstärkt nachgefragt. Allerdings dreht sich der Zeitgeist gerade und ich habe das Gefühl, dass die "Zeit" es verschläft. Und nicht nur sie, aber hier zumindest exemplarisch für die Branche. Das Medienmagazin "Journalist" hat gerade ein Interview mit Jochen Wegner, einer der Chefredakteure der "Zeit", veröffentlicht. Seine Aussagen wirken wie aus einer Zeitkapsel. Als wären sie vor 3-4 Jahren gemacht worden. **Punkt 1: Autoren im Spotlight haben** > Sie [die "Zeit] ist seit ihrer Gründung ein Autorenmedium. Auch heute ist Giovanni di Lorenzo und mir die Vielfalt der Standpunkte wichtig, wir haben nie eine einheitliche Linie angestrebt, das wäre fürchterlich langweilig. Auf der Titelseite stehen sogar gelegentlich zwei Leitartikel, die sich diametral widersprechen, Giovanni hat ein ganzes Ressort dem Widerspruch gewidmet: Streit. Viele Perspektiven im Heft zu haben ist super, aber Journalismus, der vor allem Haltung und Meinung transportieren soll, hat seinen Zenit überschritten. In den letzten zehn Jahren wurde der Autor hinter der Story immer mehr in den Vordergrund gebracht. Es war eine Reaktion auf den Siegeszug von Social Media, das von starken Meinungsäußerungen lebt. Reagieren, aufladen und polarisieren. Das mögen die Algorithmen. Neben jeder Meinung ein Profilbild, eine Person, die um Aufmerksamkeit ringt. Genau das hat der Journalismus nachgemacht. Dieser Personenkult ist zum Gift für den Diskurs und die Meinungsbildung geworden. Wir haben überall Meinungen und Aktivismus. Dabei entfernen wir uns vom eigentlichen Journalismus. Es ist Zeit, zurückzurudern. **Punkt 2: KI als journalistisches Helferlein** > Ich nutze mehrmals täglich einen Agenten, der mir auf Zuruf in einer Viertelstunde anspruchsvolle Dossiers zusammenstellt, für die man sonst Tage brauchen würde. Ich kann jetzt nicht beurteilen, was für Dossiers Wegner hier meint. Er bewertet den Einsatz von KI an anderen Stellen auch durchaus differenziert. Allerdings finde ich es besorgniserregend, wenn er von Dossiers spricht, die sonst Tage in Anspruch nehmen. Das muss komplexe Materie sein. Und wichtig obendrein, immerhin ist er Chefredakteur. Wer glaubt, dass KI bei solchen Tätigkeiten geeignet ist, der irrt. Dossiers zu erstellen ist ein Prozess bei dem das Thema durchdrungen wird. Ein dynamischer Prozess bei dem sich neue Ideen entwickeln. Wer das von KI erstellt, gewinnt nichts, außer Buchstabensuppe, die nach statistischen Wahrscheinlichkeiten generiert wird – und aufwändig manuell geprüft werden muss. KI kann in Redaktionen sehr nützlich sein. Nämlich bei der Recherche. Das Durchdringen von sehr großen Datenmengen ist ein Talent der KI, das kein Mensch leisten kann. Geht es allerdings um die Inhalte selbst oder die Darstellung der Inhalte, ist KI immer nur eine billige Fake-Variante. Selbst die künstliche Vorlesestimmen, die die Zeit einsetzt, mag praktisch und günstig sein, kann aber nicht das Menschliche bieten. Und das Menschliche ist es nunmal, das wir Menschen wollen. Wir sind soziale Wesen und menschliche Gedanken haben einen Wert, den eine KI naturgemäß nicht bieten kann. Daran wird sich auch mit den besten LLMs nichts ändern. Sie werden nur besser darin, uns zu imitieren, aber es wird immer das Künstliche bleiben. **Punkt 3: Die Infrastruktur** > Auf TikTok erreichen wir im Monat mittlerweile mehr als 30 Millionen Views, das sind ebenfalls ganz andere Zielgruppen. Es gibt sogar ein Feature, das testweise für manche Nachrichtenangebote freigeschaltet ist, um auf Inhalte der eigenen Website zu verlinken. Wir haben dort kürzlich auf einen Test bei zeit.de verwiesen, mit dem ich repräsentativ einschätzen kann, wo ich im Vergleich zum Rest des Landes politisch stehe. Allein von TikTok kamen Hunderttausende zu uns. So sieht wahrscheinlich die Zukunft aus: Je weniger uns die großen, angestammten Quellen noch unterstützen, desto stärker müssen wir auf allen anderen Plattformen präsent sein. Was wurde in in den letzten 20 Jahren über die Abhängigkeit von Google diskutiert? Dann über Facebook. Dann OpenAI. Oder TikTok. Haben wir irgendwas aus den vielen Diskussionen gelernt? Anscheinend nicht. Man springt von einer Abhängigkeit in die nächste und wirft sich dem Algorithmus um den Hals. Oder auch mehreren Algorithmen. Die "Zeit" hat eine bemerkenswert gute Entwicklung was Auflage und die wirtschaftliche Situation betrifft. Sie ist eine der wenigen deutschen Medien, die sich trauen könnten, weniger in die Abhängigkeit zu gehen. Mehr eigene Distributionskanäle und Plattformen aufzubauen. Oder meinetwegen verstärkt auf das Fediverse zu setzen. Wir sehen die Verletzbarkeit bei der BBC, die von Trump attackiert wird. Wir sehen die Tech-Bros, die mittlerweile offen eine Abneigung gegen freie Presse zeigen und die Macht haben, jedes Medium der Welt zu attackieren oder zu kaufen. Wir sehen die AfD, die den ÖRR abschaffen will. Wieso wagen wir es nicht, eine europäische Medienplattform aufzubauen und uns von der digitalen Nabelschnur der USA zu lösen? Ja, Wegner sagt im Interview auch, dass Medien sich bei den Ausspielwegen diversifizieren müssen. Aber konsequent scheint man das nicht zu verfolgen. Man nimmt doch lieber die Kundschaft auf TikTok mit und macht Deals mit Google oder OpenAI. Nur, wie kann unabhängiger Journalismus funktionieren, wenn die ganze Infrastruktur in Abhängigkeit ist? Wie können die Lesenden und Hörenden einem solchen Medium vertrauen? Es ist an der Zeit, die digitale Infrastruktur als Nervensystem der Menschheit zu sehen. Und wer das Nervensystem kontrolliert, kontrolliert die Menschheit. Und die Pressefreiheit.
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January 25, 2026 at 5:02 PM
whoever is looking for an entry point to the great old russians: check out this short story by tolstoy: https://en.wikipedia.org/wiki/Master_and_Man_(short_story)
Master and Man (short story) - Wikipedia
en.wikipedia.org
January 18, 2026 at 1:33 PM
Yes. Classic literature like Dostoyevksy, Kafka or Thomas Mann has a reputation of being hard to crack as a reader. But it's all about giving it a try, without forcing it. Read when you enjoy reading. Don't when you don't. https://www.autodidacts.io/dostoyevsky-isnt-difficult/
Dostoyevsky isn’t difficult
Other than the names. The names are difficult.
www.autodidacts.io
January 18, 2026 at 1:27 PM
Interessante Zeitreise durch die Web-Historie anhand von Markdown: https://www.anildash.com/2026/01/09/how-markdown-took-over-the-world/
Markdown如何席卷全球
How Markdown took over the world (www.anildash.com) 01:52  ↑ 102 HN Points
www.anildash.com
January 18, 2026 at 1:16 PM
Das Web ist ein großer Gleichmacher
Wenn Elon Musk seine über 6000 Starlink-Satelliten als Segen für Kriegs- und Krisengebiete anpreist, hat er recht. Egal wie die Infrastruktur am Boden aussieht, via Starlink können die Menschen sich ins Netz einklinken. Okay, das die Satelliten von einer einzigen Privatperson dirigiert werden ... geschenkt. Zugang für alle! Es ist der grundlegende Gedanke des Internets: Jeder kann sich vernetzen, kann sich austauschen, organisieren und informieren. Wissen und Macht über Kupfer, Glasfaser, Mobilfunk oder Satellit. Wissen und Macht sind allerdings keine Einbahnstraßen und wir erleben immer mehr die umgekehrte Wirkung. Propaganda statt Wissen. Manipulation statt Macht. Wir werden nicht unbedingt mündiger, sondern verblendeter. Die Gefahr ist real, die Wissenschaft ist sich da einig und die europäische Politik reagiert vermehrt mit Verboten und Regulierung. Das Web ist also ein Gleichmacher im Positiven wie im Negativen. Das war schon immer so, allerdings verschiebt sich der Schwerpunkt. Feierte man während der Arabischen Revolution die Neuen Medien als demokratische Kraft, bemerkt man jetzt den Zusammenhang von wachsendem Populismus und mentalen Erkrankungen. Und seit einigen Jahren verändert sich die Rechnung nochmal deutlich – mit der Verbreitung von Algorithmen und KI. Diese technologische Ausbaustufe zeigt eine ganz andere Bedeutung von Gleichmacherei: Nicht der Zugang ist gemeint, sondern Geschmack und Weltsicht. Om Malik, ein geübter Denker und Beobachter aus der Silicon Valley-Bubble, schreibt dazu: > The algorithmic reality of technology platforms has codified conformity into the human condition. And it is very profitable—the real late-stage capitalism. Things are going to get worse with the new AI, that leans into the “mid” as a default, built entirely on the notion of conformity. Malik ist nicht im Verruf ein Kulturpessimist oder Techno-Skeptiker zu sein. Im Gegenteil, er ist Investor in technologische Zukunftsprojekte. Aber auch er sieht die Geschehnisse, die nicht von der Hand zuweisen sind: Die massenhafte Vernetzung führt zu massenhaftem Vergleichen und Abschauen. Reichweite kommt durch Massenkompatibilität. Genau das fördern die Algorithmen und dem folgen wiederum die Content-Creator. Es ist ein Kreislauf, der in eine Spirale der großen Gleichmacherei führt. > We’re living in the endgame. Algorithmic reality doesn’t just commodify interaction. It standardizes imagination. The algorithms squeeze creativity out of millions by showing them exactly what “works.” We don’t get unique. We get infinite variations of the same. > And yet here we are. Our algorithmic gods are our teachers, tastemakers, and economic incentive all at once. Fall in line, and get paid. Wie können wir diesen Kreislauf durchbrechen? In der Masse wahrscheinlich gar nicht. Der Geist lässt sich nicht mehr in die Flasche stopfen. Im Einzelnen aber schon. Die Antwort liegt nicht unbedingt nur im "Unplugging", also dem Offlinesein. Wir können die Vernetzung auch wieder bewusster für echte zwischenmenschliche Interaktionen nutzen. Ohne dazwischengeschaltetem Algorithmus, ohne KI-Systeme, die wie ein großer Gedanken-Mixer wirken. Es ist nicht unmöglich. Oder?
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January 18, 2026 at 12:57 PM
📚 "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann
Solch ein Werk mit zarten 25 Jahren hinknallen, das verlangt Respekt. Buddenbrooks: Verfall einer Familie ist 1901 erschienen und erzählt den Untergang einer Kaufmannsfamilie in Lübeck. Das Buch ist irgendwie verstörend und nüchtern betrachtet recht langweilig. Gleichzeitig ist es ein Meisterwerk und Thomas Manns Sprachfertigkeiten unerreicht. Diese Widersprüchlichkeit hat mich schon beim "Zauberberg" von Mann beschäftigt. Beide Bücher sind im Verruf, anstrengende Schullektüre zu sein. Mann schreibt Schachtelsätze, die sich über ganze Seiten ziehen, er lässt seine Figuren in Monologe ausarten, die sich ins Tausendstel verzetteln. Im Moment des Lesens hat mich das durchaus aufgeregt. Nicht genug, dass ich das Buch weggelegt hätte, aber genug für ein lautes Seufzen. Und dann, zumindest bei den Buddenbrooks empfand ich es so, ist da dieses lineare Erzählen. Der Untertitel des Buches lautet "Verfall einer Familie" und genau das passiert auch. Ein stetiger Niedergang, eine Talfahrt von der ersten bis zur letzten Seite. Das ist weit weg von der Art von Storytelling, die wir heutzutage gewöhnt sind. Das ist kein Hollywood, sondern deutsche Erzählkunst aus dem frühen 20. Jahrhundert. Viel härter und schonungsloser. Keine Kompromisse, kein Spiel mit den Emotionen des Lesers. Sehr deutsch, sehr lebensnah. Die einzige Überraschung im Buch ist die nüchterne Radikalität, wie Thomas Mann seine Figuren in den Abgrund treibt. Aber dann, mit etwas Abstand, verzeihe ich es ihm alles wieder. Es fügt sich zu einem größeren Bild zusammen und ich denke: genau so und nicht anders, bitte. Danke. Woran liegt das? Vielleicht ein kleines bisschen daran, dass Thomas Mann den Nobelpreis für das Werk erhalten hat. Das fordert Respekt ein. Es liegt sicherlich auch an seinem sprachlichen Genie, wenn er über Seiten (!) ein improvisiertes Klavierstück des kleinen "Hanno" beschreibt und damit das komplette Innenleben des Kindes offengelegt wird. Das ist eben verstörend und großartig zugleich. Verstörend im Moment des Lesens, wenn man im fünften Nebensatz hängt. Klappt man danach aber das Buch zu – und lässt den Eindruck sacken, bleibt der Geschmack von etwas Einmaligem und Perfektem zurück. Das ist schwer zu beschreiben (wenn man nicht Thomas Mann ist); vielleicht kann man seine Bücher mit Gemälden vergleichen: Beim Lesen kommt es einem vor, als würde man nur einzelne Pinselstriche verfolgen, tritt man etwas zurück, entpuppt sich aber die Schönheit im Gesamtkunstwerk. Der Zauberberg ist im Vergleich übrigens ein wesentlich komplexeres und deutlich märchenhafteres Buch. Ein Buch, das mehrmals gelesen werden muss. Das ist bei den Buddenbrooks nicht unbedingt der Fall. Sie müssen weniger intellektuell durchdrungen werden, sondern es ist vielmehr ein emotionales Erlebnis. Ein Mahnmal der Vergänglichkeit. Ein historischer Familienroman.
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January 16, 2026 at 5:13 PM