Mein Umstieg von Windows 11 zu Linux Mint
## Inhalt
* Die Entscheidung
* Vorbereitung
* Die Installation
* Die weiteren Schritte
* Es wird gedruckt
* Eine AusweisApp bitte
* Das erste Zoom-Meeting
* Vorsicht DAU!
* Fazit
Es ist nun circa einen Monat her, dass ich Linux Mint 22.3 Zena installiert habe. In Kurz: Es läuft und zwar gut. Ich habe es mir etwas einfacher gemacht und gar nicht erst versucht beide Systeme, also Windows und Linux, auf einem Rechner zum laufen zu bringen. Ich habe ein eigenes Gerät für die Linux Installation verwendet.
Dennoch fühlt es sich manchmal so an als ob ich mir ein paar Minuten oder vielleicht ne Stunde länger Zeit für die Entscheidung nehmen hätte sollen.
## Die Entscheidung
Linux war mir grundsätzlich schon lange „bekannt“. Ich konnte was mit dem Namen anfangen, hatte aber seit über zwanzig Jahren keinerlei Kontakte mehr dazu gehabt. Es war immer das Betriebssystem der Leute, die absolute Cracks in ihren Fachgebieten waren. Absolute Profis. Ich selbst sah mich nie als ein solcher Profi aber auch sonst kam ich bisher nicht auf die Idee statt Windows Linux einzusetzen.
Windows setzte ich bisher auf all meinen Rechnern und Notebooks ein. Mein erstes Betriebssystem war Win 3.11. Windows 11 wird mein letztes gewesen sein. In all den Jahren habe ich allerdings nie die Microsoft Produkte privat genutzt. OpenOffice hat mich lang begleitet, bis ich dann mal auf LibreOffice gewechselt bin und als Grafikprogramm habe ich schon seit langer Zeit Gimp im Einsatz.
Mit Windows 11 begann das Betriebssystem mit den tollen Updates, die dann mal kurz CoPilot aktiviert und insgesamt wurde das System aufdringlich. In all den Jahren und in den Versionen zuvor empfang ich Windows nie als wirklich störend oder nervig. Das änderte sich ab Herbst mit den entsprechenden Updates. Gerade KI möchte ich doch gerne selbstbestimmt benutzen und diese automatische Installation fand ich alles andere als prickelnd.
Nachdem dann der Umstieg von Android zu /e/OS so gut klappte dachte ich mir, dass der Umstieg von Windows zu Linux doch eigentlich die logische Folge sein müsste.
### Vorbereitung
Ich habe mir zuvor ein paar Fragen notiert und versuchte diese zu beantworten. Ist mein Drucker mit Linux kompatibel, habe ich spezielle Software im Einsatz, gibt es auf dem bestehenden Notebook Platz für eine Linux Partition, usw.
So viel ich am Smartphone mache, so wenig mache ich am Rechner. Insofern hatte ich nur ein Programm was definitiv nicht kompatibel war mit Linux – das Programm für die Steuererklärung. Ich habe dann einige recht unterhaltsame Foreneinträge zu dem Thema Programme für Steuererklärungen unter Linux gelesen und einfach beschlossen dieses Jahr dafür noch den Windows Rechner zu verwenden und für das nächste Jahr mir eine webbasierte Lösung zu finden.
Mit meiner separaten Partition für meine Daten abseits der Systempartition für die Windows Installation bin ich in all den Jahren recht gut gefahren und so dachte ich auch, dass ich diesen Teil ja recht einfach auf den Linux Rechner einsetzen kann ohne groß etwas machen zu können.
Das war grundsätzlich und trotz dieses Stolpersteins mit dem Programm für die Steuererklärung war das eine gute Quote, gut genug um alle weitere Gedankenkreise um und über diese Entscheidung mit einem „machs einfach“ abzukürzen.
Im Nachhinein hätte es sicher gut getan, wenn ich mir einmal grob über den Aufbau des Systems, die Dateistruktur und so ein bisschen was drum herum informiert hätte. Aber die Zeit habe ich mir nicht genommen.
Entscheidungshilfe zur Auswahl der passenden Distribution: https://distrochooser.de/
Zum Ausprobieren verschiedener Linux Distributionen https://distrosea.com/de/
Hilfe und Unterstützung zum Ein- und Umstieg: https://www.linuxguides.de/
## Die Installation
Nun gut. Ich habe mir also, um zweigleisig fahren zu können bis die Steuererklärung für 2025 erledigt war und ich den Windows Rechner platt machen kann, ein neues Notebook zugelegt ganz ohne Betriebssystem. Und einen USB-Stick, der wurde im Laden auch noch gekauft. (Es ist manchmal wirklich erstaunlich was mein Haushalt alles nicht besitzt. USB-Sticks gehörten bis vor diesem Zeitpunkt dazu.)
Den USB Stick habe ich dann dafür verwendet nach diversen Anleitungen Linux Mint 22.3 Zena bootfähig drauf zu spielen.
Die Installation von Linux auf einem Rechner, der zuvor noch nie ein Betriebssystem gesehen hatte, war mit dem erstellten Boot-Stick sehr einfach. Ich folgte schlicht einem der Videos auf YouTube mit einer entsprechenden Anleitung. Und danach wollte ich, ohne Verständnis für die andere Struktur des Linux Systems, das mit der Partitionierung versuchen, da ich auch dafür eine Anleitung gefunden hatte, die angab, dass man das nach der Installation tun sollte..
Machen wir es kurz, ich scheiterte.. mehrfach.. weil ich das natürlich mehrfach und auf verschiedenen Wegen versuchte. Das führte erst einmal zu Frust und die Videos, die ich mir dazu ansah verstärkten dieses Gefühl noch zusätzlich. Und als dann Linux meinte, dass es die Tastatur des Notebooks nicht mehr möchte war der Geduldsfaden für den Tag mit diesem System durch. Fazit des ersten Abends mit Linux: Was ein Kack!
Konnte das Betriebssystem da etwas dafür? Nein. Ich hatte nur versäumt mir im Vorfeld deutlicher klar zu machen, dass Linux eben kein Windows ist. Nachdem ich dann diverse Forenbeiträge gelesen hatte, in denen die Einrichtung von Partitionen eher als optional/nicht notwendig/unnütz betrachtet wurde, habe ich mich mehr oder weniger damit abgefunden. Allerdings bin ich dann sehr auf das erste große Update, was ja im Sommer kommen soll, gespannt.
Linux Mint: https://www.linuxmint.com/
Anleitung zur Erstellung eines bootfähigen Sticks für Linux Installation: https://youtu.be/5QtWkLWRjis
https://etcher.balena.io/
Installation: https://youtu.be/isZ8ng5dr9c
## Die weiteren Schritte
Es wurden sämtliche erste Schritte, die empfohlen wurden, mit Bedacht begutachtet und bei positivem Empfinden umgesetzt. (Die KI hat mir bei Bedarf Terminalbefehle „übersetzt“ und erklärt.) Naja und dann hieß es, die notwendigen Daten drauf klatschen und los geht’s. Und tatsächlich habe ich auch den zweiten Monitor direkt angeschlossen.
Es wollten neue Blogbeiträge geschrieben werden, Fotos bearbeitet und was man halt sonst so am Rechner macht. Und genau das habe ich in den folgenden Tagen dann auch gemacht, ohne auf weitere Probleme oder Überraschungen zu stoßen.
Vielleicht ist das Linux Zeug also doch nicht so ein Kack, wie ich im ersten Frust dachte.
Erste Schritte: https://youtu.be/nZM7w-5Pk9U
### Es wird gedruckt
Damit einen Drucker mit dem Linux Rechner zu verbinden habe ich erst etwas gewartet. Irgendwann im Lauf der Woche nach der Installation war es aber so weit und ich habe meinen Drucker HP Envy 5540 mit dem Linux Rechner bekannt gemacht.
Dabei half auch HP selbst mit einem Programm für Linux dem „HP Linux Imaging and Printing„, das unter HPLIP in der Anwendungsverwaltung zu finden ist. Dadurch gibt es ein paar mehr Einstellmöglichkeiten für den Drucker, Scannen wollte er dadurch trotzdem nicht. Der Drucker erkannte den Linux Rechner schlicht nicht. Aber das war schon immer sehr unzuverlässig mit dem Drucker, von dem her ist das keine Besonderheit.
Aber immerhin, es wird gedruckt. Und mehr will ich ja gar nicht.
### Eine AusweisApp bitte
Die nächste Baustelle war die AusweisApp auszuprobieren und zu versuchen das Smartphone mit dem Rechner als Kartenleser zu koppeln. Die Installation der Anwendung war wie gewohnt problemlos. Die Kopplung wollte aber nur mit inaktiver Firewall klappen. Nachdem ich hier aber den Tipp befolgte eine Ausnahmeregel für den Port UDP 24727 anzulegen war das dann auch kein Problem mehr und das Smartphone konnte auch mit aktiver Firewall für den Linux Rechner als Kartenleser fungieren.
Details dazu kannst hier finden:
https://www.ausweisapp.bund.de/fileadmin/user_upload/AusweisApp-2.1.1-NetInstallation_Integration.pdf
https://paperless.codeberg.page/paperless/2021-12-3/ausweisapp/
### Das erste Zoom-Meeting
Ich habe es auch geschafft Zoom zu installieren. Das war vor allem für den Zweck der Blognächte und genau dafür wurde es dann auch das erste mal ausprobiert. Ich hatte das Programm davor noch nie genutzt und so wandelte ich mit noch mehr Unwissen umher. Das freche Programm hat sich im Vollbildmodus geöffnet auf dem Bildschirm mit der Menüleiste unten dran und der andere Bildschirm war zwar noch nutzbar, hatte aber keine Menüleiste.
Ja, du darfst mich an der Stelle auslachen, aber ich war in dem Moment wirklich aufgeschmissen. Das Meeting wollte ich nicht verlassen, aber wie zum Teufel komme ich jetzt an die Programme?
Wir erinnern uns, fancy Tastenkombinationen oder Konsolenbefehle hatte ich zu der Zeit einfach noch nicht drauf und auch jetzt noch bin ich weiterhin am (langsamen) lernen. Und ganz so nebenbei finde ich einen automatischen Vollbildmodus schon sehr frech.
## Vorsicht DAU!
Ja, doch, ne. Ich weiß nicht warum ich aus der Menüleiste ein Symbol entfernt habe, was da doch durchaus ganz praktisch war. Ich würde das ja nun auf diese „Try and Error“ Taktik schieben, die ich bei der Bedienung des Linux Systems an den Tag lege. Und manchmal passieren dann halt Dinge und danach ist Frau damit beschäftigt die Dinge wieder zum erscheinen zu bringen.
Es gibt sicher bessere Beschäftigungen aber es zeigt mir immer und immer wieder, dass ich hier noch sehr viel zu lernen habe, sofern ich das System irgendwann ähnlich sicher beherrschen will wie Windows Jahrzehnte lang.
Ja, ich bin da recht streng mit mir.. aber immerhin ist die Lernkurve gerade extrem steil.
Die Abkürzung DAU steht für „dümmster anzunehmender User“ und bezeichnet in der IT scherzhaft eine Person, die ein System völlig unbedarft und fehleranfällig benutzt.
## Fazit
Wenn ich nun am Rechner sitze, dass ist es das Gerät mit Linux während der Windows Rechner auf Sommer wartet zur Finalisierung der Steuererklärung. Bisher konnte ich mit Linux all das machen, was ich machen wollte oder musste. Und sofern mein innerer DAU nicht gerade wieder Unfug getrieben hat, bin ich bisher auch auf keine Probleme gestoßen.
Es werden Sicherungen gemacht, Updates geholt und ansonsten ist es auffällig unauffällig und „unnervig“. Das Betriebssystem will nichts von mir sondern wartet darauf was ich von ihm will. Das ist sehr angenehm und irgendwie muss ich mich daran erst gewöhnen nach den nervigen letzten Monaten mit Windows 11. Es macht also genau das was ein Betriebssystem tun soll: Im Hintergrund bleiben.
Ich glaube jetzt ehrlich gesagt auch nicht das sich das noch groß ändern wird. Nach wie vor habe ich vieles zu lernen. Allerdings ist mein Geduldsfaden aus „historischen Gründen“ sensationell kurz, wenn ich dann doch mal wieder Probleme finde oder selbst verursache. Aber mein plötzlich aufflammender Jähzorn wird sich in Zaum halten müssen. Zurück zu Windows will ich einfach nicht mehr.